Meinungen zur Impfpflicht

Gleich zu Beginn dieses Beitrages möchte ich betonen, dass ich mit Sicherheit kein klassischer Impfgegner bin. Bis vor wenigen Jahren habe ich so ziemlich jede Impfung bekommen. Mit der Geburt meiner Tochter hat sich die Situation jedoch verändert. Erst an dieser Stelle meines Lebens habe ich begonnen, über die Impfsituation nachzudenken. Kurz nach der Geburt bekamen wir vom Kinderarzt bereits den Impfplan ausgehändigt. Erstaunt zählte ich damals 22 Impfungen bis zum 2. Geburtstag meiner Tochter, die damals erst wenige Tage alt war.

Zuerst wollte ich mich einmal mit den unterschiedlichen Krankheiten beschäftigen. Ich musste also erstmal spannende Fragen klären: „Was ist Pliomyelitis, Haemophilus influenzaeB oder Meningokokken?“ Über diese Fragestellungen gelangte ich relativ schnell auf sogenannte impfkritische Seiten. Dort erfuhr ich zum ersten Mal von Impfschäden oder gar von Impfstoffen, welche in einigen europäischen Ländern verboten wurden. Derartige Impfstoffe waren zu dieser Zeit in Österreich jedoch noch in Verwendung. Kann man als Elternteil noch beruhigt sein, wenn derartige Impfstoffe in Österreich für Kinder noch im Einsatz sind? Letztendlich möchte ich mit den vorangegangenen Zeilen nur betonen, dass es sicherlich keine leichte Entscheidung darstellt, ob man nun sein Kind impfen lassen soll oder eben nicht.

Seit einigen Wochen wird auch in Österreich die sogenannte Impfpflicht in den Medien thematisiert. Dazu habe ich vor wenigen Tagen auch einen Kommentar gefunden. Dieser Beitrag wurde auf „derstandard.at“ am 23. Februar 2017 um 16:54 Uhr unter der Überschrift „Impfpflicht: Immun gegen die Vernunft“ veröffentlicht. An dieser Stelle sollten Sie bitte unbedingt diesen Beitrag lesen.

Den Beitrag finden Sie hier:
derstandard.at – Impfpflicht: Immun gegen die Vernunft

Falls die Verlinkung nicht funktionieren sollte, finden Sie hier den Beitrag als PDF-Datei:
Impfpflicht: Immun gegen die Vernunft (PDF-Datei)

Dieser Kommentar von Frau Marie-Theres Egyed hat mich dazu veranlasst, eine schriftliche Anfrage an die Redaktion zu schreiben. Mir ist durchaus bewusst, dass es sich hier um einen sogenannten „Kommentar“ von Frau Marie-Theres Egyed handelt. In derartigen Kommentaren werden oft persönliche Meinungen veröffentlicht. Jedenfalls respektiere ich jede Meinung und lege darüber hinaus sogar sehr großen Wert darauf, dass auch jeder Mensch seine eigene Meinung frei äußern darf. Auch ich möchte ja schließlich frei meine Meinung kundtun dürfen. Aber kommen wir nun zu meiner schriftlichen Anfrage vom 24.02.2017:

Betreff:
Ihr Kommentar zum Thema Impfpflicht

Sehr geehrte Frau Egyed,

mit großem Interesse habe ich Ihren Kommentar zum Thema Impfpflicht gelesen. Ihr Beitrag wurde auf „derstandard.at“ am 23. Februar 2017 um 16:54 Uhr unter der Überschrift „Impfpflicht: Immun gegen die Vernunft“ veröffentlicht.

Ausgerechnet diese österreichische Tageszeitung wirbt bekanntlich regelmäßig mit der Aussage: „Guter Journalismus beginnt damit, dass man schlechten weglässt.“ Leider hat man diese markante Aussage bei der Veröffentlichung Ihres Beitrages mutmaßlich „komplett übersehen“.

Die „neue“ Art des Journalismus mag zwar manchmal durchaus „cool“ wirken, allerdings wäre es doch sehr wünschenswert, wenn man Sätze veröffentlicht, die auch einen Sinn ergeben. So lautet die „Unterüberschrift“ Ihres Beitrages: „Masernausbruch: Eine Impfpflicht ist kompromisslos, aber unumgänglich“

Zur Erklärung: Ein „Kompromiss“ ist die Lösung eines Konfliktes durch gegenseitige freiwillige Übereinkunft, unter beiderseitigem Verzicht auf Teile der jeweils gestellten Forderungen. Es wird also dabei von den Verhandlungspartnern ausgehend von den eigenen Positionen eine neue Mittelposition gebildet und diese erzielte Einigung als gemeinsames Ergebnis dargestellt. Daraus lässt sich ableiten, dass man mit dem Begriff „kompromisslos“ eben kein „gemeinsam erarbeitetes Ergebnis“ erzielen möchte. Mit anderen Worten: Man ist eben zu keinem Kompromiss bereit.

Mit dem Adjektiv „unumgänglich“ will man in der Regel zum Ausdruck bringen, dass „etwas“ dringend erforderlich ist, sodass es keinesfalls unterlassen werden darf. Sie bekräftigen damit also Ihre persönliche Meinung, dass eine Impfpflicht in der Republik Österreich unverzichtbar ist.

Im allgemeinen Sprachgebrauch will man bei der Verwendung von „aber“ meist einen Gegensatz zum Ausdruck bringen. Wie kann also eine Impfpflicht „kompromisslos aber unumgänglich“ sein? Wie bereits erwähnt mag dieser Stil durchaus „cool rüberkommen“, in Wahrheit handelt es sich jedoch an dieser Stelle vielmehr um eine völlig unnötige Effekthascherei. Letztendlich handelt es sich bei den bisher angeführten Punkten anscheinend um Ihren ganz „persönlichen Stil“, den selbstverständlich jeder für sich selbst beurteilen sollte.

Kommen wir nun jedoch zu den wichtigeren Punkten: In Ihrem Kommentar erwähnen Sie, dass Kinderkrankheiten „fürchterlich unangenehm“ sind, „aber weitgehend harmlos“. Aus dieser Aussage könnte man nun folgern, dass Sie die Impfungen gegen die weiteren Kinderkrankheiten für verzichtbar halten. Derartige Kinderkrankheiten wären zum Beispiel:

  • Keuchhusten
  • Haemophilusinfluenzae Typ B (Hib)
  • Hepatitis B
  • Meningokokken
  • Polio
  • Pneumokokken
  • Tetanus
  • Varizella

An dieser Stelle habe ich absichtlich die Kinderkrankheiten Mumps und Röteln nicht erwähnt, da aktuell ja leider nur ein sogenannter „3fach-Impfstoff“ am Markt verfügbar ist (MMR: Masern, Mumps, Röteln). Ihrem Kommentar kann man ja entnehmen, dass Sie für eine Impfpflicht gegen Masern auftreten. Dieser Umstand würde demnach implizieren, dass Sie diese Impfpflicht derzeit eben auch gegen Mumps und Röteln fordern? Dies macht jedoch in Bezug auf Ihre Aussage, dass die anderen Kinderkrankheiten „weitgehend harmlos“ sind, wenig Sinn. Es stellen sich hier deshalb folgende Fragen:

  • Sind Sie für die Entwicklung eines neuen Impfstoffes ausschließlich gegen Masern?
  • Sind Sie für eine Impfpflicht gegen Masern, Mumps und Röteln?
  • Sind Sie für eine generelle Impfpflicht – auch gegen die „weitgehend harmlosen“ Kinderkrankheiten?

Darüber hinaus erklären Sie, dass eine chronische Gehirnentzündung (Enzephalitis) mit „Sicherheit tödlich“ sei. An dieser Stelle würden mich die zugrundeliegenden medizinischen Studien interessieren, die Sie zu Ihrer getätigten Aussage „hinreißen“ ließen. Mit Sicherheit ist eine chronische Enzephalitis eine sehr gefährliche Erkrankung. Ob sämtliche chronische Gehirnentzündungen tödlich enden ist jedoch durchaus fraglich. An dieser Stelle hätte man vermutlich eher schreiben können:

„Der Krankheitsverlauf kann nicht selten tödlich verlaufen.“

Im nächsten Absatz erklären Sie den Lesern dann, dass der Februar stets der zweite Monat eines Jahres ist. Vielen Dank für diese Erläuterung (?). Offensichtlich kennen Sie jedoch auch offizielle Zahlen der Masern-Erkrankungen in der Republik Österreich von Jänner 2017 bis Februar 2017. Sie sprechen konkret von 55 Fällen:

  • Können Sie mir bitte das offizielle Zahlenmaterial zur Verfügung stellen, welches Sie im Rahmen Ihrer Recherche sicherlich vor der Veröffentlichung Ihres Kommentars eingeholt haben?
  • Bitte übermitteln Sie mir auch die medizinischen Studien, welche Ihre Aussage untermauern, dass sämtliche chronische Gehirnentzündungen mit Sicherheit tödlich verlaufen.

Sie schreiben dann einige Zeilen später in Ihrem Kommentar, dass die Menschen in der Republik Österreich „schlicht verantwortungslos“ handeln, weil sie sich des Risikos nicht bewusst sind – oder sie dieses Risiko gar „wissentlich“ ignorieren. Auch hier scheint es sich eben um Ihren ganz „persönlichen Stil“ zu handeln. Ein Qualitätsmerkmal bei derartigen „Verallgemeinerungen“ kann ich jedoch nicht entdecken.

Im nächsten Absatz erklären Sie dann auch noch, dass geimpfte Erwachsene weder Krankheiten „übertragen noch bekommen“ können:

  • Bitte übermitteln Sie mir auch zu dieser Aussage die entsprechenden medizinischen Langzeit-Studien, welche Ihre Aussagen zweifelsfrei bestätigen.

Sollten Sie diese medizinischen Langzeit-Studien nicht besitzen, dann hätten Sie schlicht gelogen oder eben schlecht recherchiert! Beides stellt wohl auch eher kein Qualitätsmerkmal im Journalismus dar – oder?

Abschließend erwähnen Sie noch, dass „Erfahrungen aus Ungarn und Tschechien“ zeigen würden, dass „Ausbrüche“ durch eine Impfpflicht verhindern werden könnten. Auch hier gilt:

  • Bitte übermitteln Sie mir das offizielle Zahlenmaterial aus Ungarn und Tschechien, welches Sie im Rahmen Ihrer Recherche sicherlich vor der Veröffentlichung Ihres Kommentars eingeholt haben?

Die schriftliche Beantwortung meiner Anfrage erwarte ich bis spätestens 10. März 2017.

Diese Anfrage sowie Ihre Beantwortung werde ich auf meiner Homepage im Internet veröffentlichen.

Vielen Dank für Ihre Bemühungen.

Mit freundlichen Grüßen

Friedrich Schiller

Nach ungefähr einer Woche freute ich mich dann wirklich auf die Antwort von Frau Egyed, da ich mir in der Tat endlich einmal Fakten und vor allem Antworten auf meine Fragen erwartete. Eine kurze Antwort im „Wischi-Waschi-Stil“ würde ja nicht viel Zeit beanspruchen. Für eine kompetente Antwort inklusive konkreten Fakten- und Zahlenmaterial benötigt man hingegen sicherlich wesentlich mehr Zeit. Genau am 10.03.2017 erhielt ich dann folgende Antwort:

Datum: Fri, 10 Mar 2017 15:41:11 +0000
Von: Egyed Marie-Theres
Betreff: Kommentar
An: „Friedrich Schiller“

Sehr geehrter Herr Schiller,

vielen Dank für Ihre Nachricht.

Mein Kommentar ist eine Ergänzung zu dem Artikel: „Masern: Von der Impfpflicht zur Beratungspflicht“, ein Meinungselement, das eben meine persönliche Meinung darstellt und dem Leser Hilfe zur Einordnung der Fakten geben soll.

Ich kann Ihnen vergewissern, dass ich und meine Kollegen immer sorgfältig recherchieren und Fakten heranziehen, wie etwa Daten aus OECD-Studien, Experten-Gespräche, Zahlen aus dem Gesundheitsministerium,… und diese auch von uns überprüft werden.

Sie müssen meine Meinung nicht teilen, aber Sie sollten sie zulassen –  das mache ich auch, selbst wenn ich einen Leserbrief mit Ultimatum als befremdlich empfinde.

Mit freundlichen Grüßen,

Marie-Theres Egyed

_________________________________________________________________

Mag. Marie-Theres Egyed

Redakteurin Innenpolitik

Ich muss zugeben, dass ich mit dieser Antwort nicht gerechnet habe. Frau Egyed gibt an, dass sie mit Ihrer persönlichen Meinung den Lesern bei der Einordnung der Fakten helfen möchte. Nun, genau nach derartigen Fakten habe ich doch gefragt. Leider blieb jedoch jede meiner Fragen unbeantwortet. Die zugrundeliegenden Daten stammen also aus OECD-Studien. Warum nennt man uns nicht die genaue OECD-Studie? Ein Quellenverweis samt Link (falls vorhanden) wäre hilfreich. Es gab Experten-Gespräche? Wie heißen diese Experten und wann fanden diese Gespräche statt? Noch einmal möchte ich hier anführen, dass ich die Meinung von Frau Egyed sehr wohl zulasse. Frau Egyed findet einen „Leserbrief mit Ultimatum“ befremdlich. Immer noch empfinde ich jedoch den „Kommentar“ sowie die Antwort auf meine schriftliche Antwort von Frau Egyed als befremdlich.

Selbstverständlich darf jeder Mensch seine ganz persönliche Meinung haben und diese auch vertreten. In einer persönlichen Meinung jedoch alle Menschen kategorisch auszugrenzen, die nicht diese eigene Meinung vertreten, hat in der Geschichte allerdings noch nie funktioniert. Deshalb stellt sich die Frage, ob man Menschen, die aktuell beim Thema Impfungen „unsicher“ sind, generell als „arrogant“ oder „Sozialdarwinisten“ bezeichnen sollte. Auch Begriffe wie „Ignoranz“, „Egoismus“, „fehlgeleitet Ideologie“ und „grob fahrlässig“ sind aus meiner Sicht völlig unzulässig.

Jedenfalls werde ich Frau Egyed auch noch über diese Veröffentlichung informieren. Sollte es in diesem Zusammenhang noch weiteren Schriftverkehr oder zusätzliche Informationen geben, dann werde ich hier natürlich sofort darüber berichten.

Der Vollständigkeit halber möchte ich auf den Artikel „Masern: Von der Impfpflicht zur Beratungspflicht“ verlinken, den Frau Egyed in Ihrer Antwort vom 10.03.2017 hingewiesen hat.

derstandard.at – Masern: Von der Impfpflicht zur Beratungspflicht


Bildnachweis: Beitragsbild via pixabay.com / Fotograf: PhotoLizM / Lizenz: Public Domain CC0

Tweet about this on TwitterShare on Facebook8Share on LinkedIn0Share on Google+0Email this to someone

2 Kommentare

  1. fcbs
    13/06/2017
    Antworten

    Sehr geehrter Herr Schiller,

    Kompromisslos heißt in diesem Kontext wohl, dass einem Impfgegner im Falle einer (unumgänglichen) Impfpflicht wohl keine Kompromisse mehr zugestanden werden. War das jetzt wirklich so schwer?
    Natürlich ist die Formulierung an sich etwas holprig und erfüllt den Tatbestand der Effekthascherei, aber sie ist durchaus verständlich.
    Ich möchte wirklich keine Impfdiskussion vom Zaun brechen, aber der tiefere Beweggrund Ihrer recht unfreundlichen Anfrage bei Frau Egyed bleibt dem Leser leider verborgen. Ging es wirklich um konkrete Fragen zu den zugrundeliegenden Fakten oder war Ihnen nur der wenig journalistisch geprägte Ansatz dieses Kommentars ein Dorn im Auge?

    • frisch2
      16/06/2017
      Antworten

      Vielen Dank für Ihre Anfrage. Ihre Frage nach meinem „tieferen Beweggrund“ beantworte ich sehr gerne: Bei meiner Anfrage bei Frau Egyed ging es mir in erster Linie in der Tat um die Beantwortung meiner sehr konkreten Fragen zu diesem Thema. Auch die zugrundeliegenden Fakten bzw. medizinischen Langzeitstudien hätten mich dazu sehr interessiert. Leider hat Frau Egyed den Großteil meiner doch sehr konkreten Fragen nicht beantwortet. Das Thema „Impfpflicht“ erscheint mir darüber hinaus von enormer Wichtigkeit.

      Nach wie vor empfinde ich deshalb den persönlichen Stil von Frau Egyed im Umgang mit diesem wichtigen Thema als befremdlich. Selbstverständlich darf jeder Mensch seine ganz persönliche Meinung haben und diese auch vertreten. In einer persönlichen Meinung jedoch alle Menschen kategorisch auszugrenzen, die nicht diese eigene Meinung vertreten bzw. in der Tat „unsicher“ sind, wird nicht funktionieren. Deshalb stellt sich die Frage, ob man Menschen, die aktuell beim Thema Impfungen „unsicher“ sind, generell als „arrogant“ oder „Sozialdarwinisten“ bezeichnen sollte. Begriffe wie „Ignoranz“, „Egoismus“, „fehlgeleitete Ideologie“ und „grob fahrlässig“ sind aus meiner Sicht deshalb auch völlig unzulässig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.