Irland: Mythen und Legenden

Inmitten sämtlicher negativen Schlagzeilen und Ereignisse der letzten Monate sollten wir uns zwischendurch unbedingt auch einmal wieder entspannen und zur Ruhe kommen. Welche Zeit wäre dazu wohl besser geeignet, als die „klassische“ Urlaubszeit in den Sommer-Monaten. Aus diesem Grund möchte ich in meinen nächsten Beiträgen jene schönen Momente und Impressionen präsentieren, die wir heuer Ende Mai in der Republik Irland sowie in Nordirland erleben durften.

Bereits im Jahr 2009 besuchten wir die “Grüne Insel“ im Atlantik. Schon damals waren wir vom Charme dieser Insel und vor allem derer Bewohner so begeistert, dass wir uns heuer spontan zu dieser weiteren Rundreise entschieden haben.

Heilige Bäume…

Die irische Geschichte ist ja bekanntlich reich an Mythen und Legenden. Man erzählt sich hier immer noch die „alten Geschichten“ von Riesen, Druiden, Kobolden, großen Kriegern, Heiligen oder gar Feen. Kaum in Irland angekommen, hören wir auch schon die erste Geschichte: Seit jeher haben  die Menschen auf dieser Insel auch eine ganz besondere Verbindung zur Natur. So gab es schon bei den Kelten beispielsweise die „heiligen Bäume“.  Dabei handelt es sich um den Weißdorn, der auch heute noch die Menschen mit seiner Blütenpracht im wahrsten Sinne des Wortes „verzaubert“.

Gemeinsam mit weiteren stacheligen Bepflanzungen bildete der Weißdorn immer schon dichte Abgrenzungen am Rande der zahlreichen irischen Weiden. Somit bot er schon damals einen ausreichenden Schutz für die Weidetiere vor gefährlichen Tieren oder gar plündernden Landstreichern. Der Weißdorn ist allerdings auch heute noch ein durchaus wichtiger Bestandteil der Hecken in Irland. In der Blütezeit (Mai) verwandelt der Weißdorn die „grüne Insel im Atlantik“ regelmäßig in einen einzigartigen Augenschmaus, an dem man sich wohl niemals satt sehen kann.

Über viele Jahrhunderte hinweg war der Weißdorn in Irland übrigens der sogenannten „weißen Göttin“ Morrighan geweiht. Gemeinhin war Morrighan auch als „Königin der Elfen“ bei den Kelten bekannt. Darüber hinaus wurde sie auch als die höchste Kriegsgöttin, Göttin des Wassers, Mondgöttin sowie Göttin des Schicksals und des Todes verehrt. Zu ihren Symbolen gehören die Krähen und die Raben. Ohne Zweifel also eine machtvolle Schutzpatronin der Hexen und die absolute Herrin der Nacht.

Tore zur Anderswelt?

Auch heute noch wird in Irland der Weißdorn vielfach als „Wohnstatt der Feen“ angesehen und deshalb auch verehrt. Die „alten Legenden“ erzählen nämlich: Wo er wuchs, gab es stets Eingänge (Tore bzw. Pforten) zur Anderswelt. Den Begriff „Anderswelt“ finde ich hier übrigens sehr spannend. Wohin führ(t)en diese Pforten wohl genau? Jedenfalls erschloss sich dem sogenannten „Kundigen“ in der Nähe eines Weißdorns stets die Möglichkeit, einen „weißen Ratschlag“ und vor allem „Hilfe“ zu bekommen. Derartige Geschichten und Legenden wurden über unzählige Generationen hinweg von sogenannten „Storytellers“ (Erzählern) durch das gesamte Land getragen und weitererzählt. Deshalb steht wohl der Weißdorn in Irland immer noch in Verbindung mit dem kleinen „Feen-Volk“.

Später versuchten die Menschen dann die Feen sanft zu stimmen, in dem sie kleine Stofffetzen auf die Zweige des Weißdorns banden. An manchen „mystischen“ und „heiligen“ Plätzen in Irland gibt es immer noch solche mit Stofffetzen behängten Weißdornbüsche. Vor allem der Glaube, dass das Fällen eines solchen „heiligen Baumes“ ein durchaus „tödliches Unheil“ nach sich ziehen könnte, hält sich beharrlich in der irischen Bevölkerung.

Ein Zaubertrank aus dem Kupferkessel

Kilbeggan-Distillery Aber zurück zu unserer Rundreise: Vom Crowne Plaza Northwood Park Hotel in Dublin ausgehend machen wir uns auf den Weg in Richtung Castlebar. Zuerst ist allerdings noch ein Besuch in der „Locke´s Distillery“ geplant. Hier werden wir alles über die traditionelle irische Whiskeyherstellung erfahren. Der Sitz dieser Whiskeybrennerei  ist in Kilbeggan im County Westmeath, ungefähr 90 Kilometer von Dublin entfernt. Gegründet im Jahr 1757 gilt „Locke’s Distillery“ als die älteste lizenzierte Destillerie der Welt. Im „Locke´s Distillery Museum“ erzählt man uns auch die etwas „durchwachsene“ wirtschaftliche Geschichte dieser Whiskeybrennerei vom Jahr 1757 bis 1957.

Trotz der immerwährenden Bemühungen der unterschiedlichen Besitzer-Familien musste die Brennerei nämlich im Jahr 1954 eingestellt und daraufhin die „Destillerie Kilbeggan“ im Jahr 1957 endgültig geschlossen werden. Sehr detailreich und mit viel Liebe erklärt man uns hier natürlich auch jeden einzelnen Produktionsschritt, damit wir dann schließlich diesen irischen „Zaubertrank aus dem Kupferkessel“ bei einer anschließenden Verkostung so richtig genießen können.

Das geistige Zentrum Irlands

Beschwingt nehmen wir daraufhin also wieder Fahrt auf in Richtung Clonmacnoise. Nach rund 50 Kilometer erreichen wir dann auch schon unser Ziel, nachdem wir unterwegs jedoch noch eine kleine Pause in einem typischen Tea Room im kleinen Örtchen Ballinahown eingelegt haben. Clonmacnoise wird mit gutem Grund auch als das geistliche und geistige Zentrum Irlands bezeichnet. Die ehemalige Klosteranlage von Clonmacnoise wurde im Jahre 548 vom heiligen Ciarán gegründet. Diese Anlage liegt strategisch sehr günstig  – direkt am Ufer des Shannon. Ciarán hatte zuvor dieses Land angeblich von König Dermont geschenkt bekommen.

Clonmacnoise Der heilige Ciarán selbst war wohl ein gelernter Zimmermann. Den Überlieferungen zufolge soll Ciarán vor allem naturgegebene Dinge geschickt in seine Gottesdienste integriert haben: Demnach soll ein Fuchs ihm wohl sein Textbuch getragen haben. Sogar ein Hirsch soll ihm darüber hinaus sein Geweih als Lesepult zur Verfügung gestellt haben.

Im klostereigenen Scriptorium entstanden im Laufe der Zeit bedeutende Schriften in altirischer Sprache. So entwickelte sich diese Klosteranlage wahrlich zu einem geistlichen aber vor allem auch handwerklichen Zentrum Irlands. Die Werkstätten schufen etwa besonders schöne und wertvolle Bischofsstäbe oder Reliquienbehälter.

Die Hochblüte erreichte Clonmacnoise demnach im 12. Jahrhundert. Dann fielen jedoch über die Jahrhunderte verteilt zuerst die Wikinger, dann die Normannen und schließlich die englischen Truppen auf Clonmacnoise ein – und brandschatzten nach und nach die gesamte Anlage.

Hochkreuze und Rundtürme

Auch wenn heute von den Gebäuden nur mehr alte, nicht überdachte Gemäuer übrig sind – ein Besuch von Clonmacnoise lohnt sich jedenfalls! Das gesamte Gelände ist übersät mit sehenswerten Grabplatten und Kreuzen. Einen ganz besonderen Stellenwert in der Geschichte der „grünen Insel“ haben auch die drei Hochkreuze von Clonmacnoise (Cross of Scriptures, Northcross, Southcross). Die Original-Kreuze werden heute in einem kleinen Museum im Eingangsbereich der Anlage ausgestellt. Es befinden sich jedoch auch originalgetreue Kopien auf deren ursprünglichen Plätzen am ehemaligen Klostergelände. Keinesfalls sollte man den ca. 17-18 Meter hohen Rundturm vergessen – einfach gewaltig. Außerhalb der Klosteranlage, direkt um Ufer des Shannon, steht übrigens noch ein zweiter Rundturm.

Das Zentrum der heutigen Klosterruinen von Clonmacnoise bildet die sogenannte „Kathedrale“ aus dem Jahre 909, welche eine Vielzahl von Gräbern und Grabplatten beherbergt. Keinesfalls sollte man hier den Torbogen in Blickrichtung Shannon übersehen. Dieser Torbogen wird auch als „Whispering Arch“ bezeichnet. Hier hört man angeblich das Geflüster bis an die gegenüberliegende Seite der Kirche. Die Priester der damaligen Zeit konnten so angeblich den Gläubigen, welche ansteckende Krankheiten hatten, ungefährdet die Beichte abnehmen.

Von dieser mystischen Klosteranlage in Clonmacnoise geht eine ganz spezielle Energie aus, die man wirklich einmal selbst spüren sollte. Nach diesen gewaltigen Eindrücken führt uns unser heutiger Weg noch über Athlone und Roscommon vorbei an mystischen Hügelgräbern in Tulsk bis an unser heutiges Tagesziel Castlebar. Dort angekommen beziehen wir für die nächsten zwei Übernachtungen unser Hotel namens „Harlequin“.

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