Irland: Die Pforten zur Anderswelt…

Heute beschäftigen wir uns mit der Provinz Connaught. Dabei handelt es sich übrigens um die alte englische Schreibweise dieser Provinz. In Irland spricht man von Connachta – dem sogenannten „Land der Nachkommenschaft von Conn“. Auch in der irischen Mythologie spielt Connachta eine maßgebliche Rolle. Dies ist nämlich jene Region, in der Medb und Ailill mac Máta auf Rathcroghan herrschten.

Aber jetzt einmal ganz langsam: Wer ist Medb oder Ailill mac Máta? Nun, bei Medb handelt es sich wohl um die zentralste weibliche Figur der keltischen Mythologie Irlands. Sie war nämlich die schöne und kriegerische Königin von Connachta. Ursprünglich war Medb dem König von Ulster namens Conchobar versprochen. Sie verließ Conchobar jedoch für Ailill mac Máta. Interessant an dieser Stelle ist bereits der Hinweis, dass Ailill für „der ganz Andere“ (damals wohl auch eine Bezeichnung für Elfen) steht.

Mächtige Stiere…

Ailill mac Máta ist in der Legende also der Mann von Medb und somit natürlich auch der König von Connachta. Bei der Hochzeit bringt Medb der Legende nach einen Stier namens Findbennach mit in die Ehe. Rasch möchte dieser starke Stier daraufhin aus dem „Weiber-Besitz“ ausbrechen. Er schließt sich deswegen kurzerhand einfach Ailills Herde an. Dies kränkt die Königin Medb so sehr, dass sie einen Streit mit Ailill über den Wert ihrer Besitztümer beginnt. Der König verweist jedoch dabei auf seinen neuen Besitz, nämlich den starken Stier Findbennach. Medb will diesen Streit jedoch keinesfalls tatenlos verlieren. Deshalb versucht Medb mit Hilfe ihres Boten Mac Roth, den mächtigen Stier Donn Cuailnge aus der Provinz Ulster auszuleihen. Dies misslingt jedoch leider und Medb überredet ihren Gatten zum Kriegszug gegen die Nachbarprovinz.

Die Provinz Ulster ist zu jener Zeit jedoch sehr geschwächt, da der König von Ulster gerade seine besten Helden aus seinem Land verbannt hat. Darüber hinaus steht die Provinz Ulster unter dem Bann einer machtvollen Fee, der wohl bewirkt, dass die Männer für einige Zeit kampfunfähig sind. Aber es gibt selbstverständlich noch eine weitere Heldengestalt: Cuchulain. Dieser Held steht letztlich dem feindlichen Heer völlig alleine gegenüber. Noch dazu kämpfen beim Feind seine ehemaligen Freunde, die verbannten Helden von Ulster. Dennoch gelingt es Cuchulain diesen Kampf so lange zu bestehen, bis die restlichen Männer von Ulster wieder kampffähig sind. Am Ende kämpfen schließlich beide Stiere gegeneinander: Den finalen Kampf gewinnt zwar der Stier von Ulster. Er stirbt jedoch daraufhin an seiner Erschöpfung.

Der Wohnsitz der Feen…

Medb und Ailill mac Máta herrschten, wie bereits erwähnt, auf Rathcroghan (irisch Ráth Cruachan). Dabei handelt es sich laut den Dindsenchas („Erklärung der Ortsnamen“) um den ehemaligen Königssitz von Connachta. Der Name Rathcroghan leitet sich von Crochen (Mutter der Medb) ab. Interessanterweise soll Crochen eine sogenannte Sidhe gewesen sein. Bei Sidhe handelt es sich um ein mythologisches Volk in Irland, welches man als eine Art Feenvolk bezeichnen könnte. Dieses Feenvolk bewohnt eigenartige Hügel – von den Einheimischen auch Síd genannt. Das altirische Wort síd steht dabei übrigens für „Wohnsitz“. In der deutschen Sprache würde man wohl von Feenhügeln sprechen.

Eine weitere irische Legende besagt, dass jedes Jahr zu Samhain (am 1. November) aus den Hügeln und Erdspalten rund um Rathcroghan die Bewohner der „Anderswelt“ (Anderen Welt) herauskommen. Deshalb gilt Rathcroghan, dieser ehemalige Königssitz von Connachta, als einer der Orte, die als „Pforten zu der Anderen Welt“ (Feenwelt) angesehen werden.

Eine Höhle der Katzen?

In der Gegend von Rathcroghan gibt es deshalb auch unzählige archäologische Fundstätten, die mit dieser „Anderswelt“ der irischen Mythen und Legenden in Zusammenhang stehen. An dieser Stelle könnte man beispielsweise „Rathcroghan Mound“ nennen. Auf dieser ursprünglichen Anlage aus zwei Steinringen entstanden große Bauten, die heute als Königsburg Cruachain angesehen wird. Nordwestlich davon befindet sich „Rathmore“. Hier wird ein Herrschersitz aus dem 1. Jahrhundert vermutet. In der Nähe befindet sich auch „Rath na Darbh“ (Ringfort der Stiere). Genau an dieser Stelle sollen die beiden berühmten Stiere ihren „Endkampf“ ausgetragen haben. Einer der wichtigsten Zugänge in die „Andere Welt“ soll „Uaigh na gCat“ (Höhle der Katzen) sein. Seit jeher gelten ja auch Katzen als Wesen mit Zugang zur „Anderswelt“.

Sligo Abbey Aber zurück zu unserer Rundreise. Heute verlassen wir nach dem Frühstück unser Hotel in der Ortschaft Castlebar und machen uns auf den Weg in diese geheimnisvolle Provinz Connaught. Unser erstes Ziel wird heute die Stadt Sligo sein. Diese Stadt wurde übrigens durch die Wikinger gegründet. Wir wollen uns hier die Ruine von Sligo Abbey, die von Maurice Fitz Gerald, dem Gründer der Stadt erbaut wurde, ansehen.

Diese gewaltige Abbey wurde im Jahre 1253 errichtet und im Jahre 1414 durch ein Feuer zerstört. Weitere verheerende Verwüstungen erfolgten im Jahre 1595 während des Krieges von Tyrone und danach während des Aufstandes von Ulster. Trotzdem verließen die Mönche diese Abtei wohl erst im 18. Jahrhundert.

Die Ruinen dieser Abtei beherbergen eine Reihe von Bildhauereien. Darüber hinaus werden erstaunlich gut erhaltene Grabsteine aus der Gotik und der Renaissance gezeigt. Weitere Höhepunkte sind jedenfalls der Kreuzgang sowie der Hochaltar aus dem 15. Jahrhundert. Prädikat: Unbedingt sehenswert!

Von Yeats und O´Donnell…

Sligo In Sligo entdecken wir dann auch ein Denkmal für den bekannten irischen Dichter, William Butler Yeats. Er gilt ja bekanntlich als einer der bedeutendsten englischsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts und erhielt sogar im Jahre 1923 den Literaturnobelpreis. Am Nachmittag besuchen wir deshalb auch noch den Friedhof von Drumcliff, auf dem dieser berühmte Schriftsteller beerdigt wurde. Dabei sehen wir auch den berühmten Tafelberg „Ben Bulben“.

Anschließend fahren wir weiter in die Ortschaft Donegal (irisch: Dún na nGall – deutsch etwa „Festung der Fremden“). Donegal liegt nahe der Donegal Bay und wird vom River Eske durchflossen, der südwestlich von Donegal in den Atlantik mündet. Wir entscheiden uns hier spontan zu einer kleinen Rundfahrt mit dem Schiff. Bei einem Stadtrundgang entdecken wir noch das „Donegal Castle“, welches vom berühmten O´Donnell-Clan erbaut wurde.

Dieser Familien-Clan spielt eine zentrale Rolle in der irischen Geschichte. Vom 15. bis ins 17. Jahrhundert repräsentierten die  O´Donnell´s wohl die Hauptopposition gegen die englischen Eroberer. Gegenüber finden wir schließlich die „Old Castle Bar“. Dort kehren wir erst einmal ein, um eine kleine aber gemütliche Pause zu machen. Danach müssen wir nämlich schon wieder weiterfahren in Richtung Letterkenny. In Letterkenny beziehen wir schließlich unser Hotel Station House für die nächsten zwei Nächte.

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