Irland: Bloody Sunday

Um den sogenannten Nordirlandkonflikt auch nur ansatzweise verstehen zu können (falls dies überhaupt möglich ist), muss man schon einen ausführlicheren Blick auf die Geschichte des Landes werfen. Ursprünglich wurde Irland ja bekanntlich von den Kelten besiedelt. Der heilige St. Patrick brachte dann jedoch ungefähr im Jahre 432 den katholischen Glauben auf die grüne Insel im Atlantik.

Ab dem Jahre 1172 entstand eine enge politische, wirtschaftliche und kulturelle Bindung, die Irland (teilweise bis heute) an England knüpfte. Spätestens nachdem sich Heinrich VIII. im Jahre 1543 in Folge von religiösen Streitigkeiten jedoch von Rom lossagt und mit der sogenannten anglikanischen Staatskirche eine eigene Religion „aufbaut“, werden die Iren wegen ihres katholischen Glaubens diskriminiert.

Es kommt daraufhin immer wieder zu mehreren Aufständen. Alle Aufstände endeten jedoch mehr oder weniger erfolglos und führten ab dem frühen 15. Jahrhundert lediglich zu einer gewissen „Neubesiedlung des verlassenen Landes“ in der Provinz Ulster mit protestantischen Siedlern aus England. Selbstverständlich gab es immer Autonomiebestrebungen in der irischen Bevölkerung. Alle Aufstände oder Demonstrationen wurden von den Briten allerdings mit Härte unterdrückt bzw. niedergeschlagen. Erwähnen sollte man hier unbedingt den sogenannten „Osteraufstand“ im Jahre 1916. Auch dieser Aufstand scheiterte und die Anführer wurden daraufhin brutal hingerichtet.

Von Südirland zur Republik Irland…

Im Jahre 1918 erklärt das irische Parlament zwar die Unabhängigkeit seines Landes – jedoch auch diese Maßnahme bleibt vorerst ohne Erfolg. Aus dem Widerstand gegen das Vereinigte Königreich entstand schließlich die „Irish Republican Army“ (IRA). Es folgte im Jahre 1920 ein Gesetz der Briten über die Teilung des Landes in „Nordirland“ und „Südirland“ (Government of Ireland Act). Aus “Südirland” wurde jedoch rasch der „Irische Freistaat“. Erst im Jahre 1937 entstand daraus die heutige Republik Irland.

Selbstverständlich feierten die Iren ihre Unabhängigkeit euphorisch. In Nordirland wuchs allerdings der Unmut darüber, und daraufhin wurde dort die katholische Minderheit systematisch diskriminiert. Zunächst demonstrierten die Katholiken noch durchaus friedlich. Als dann im Jahre 1968 eine Demonstration allerdings brutal im Keim erstickt wurde, griff man zu wesentlich radikaleren Mitteln. London versuchte daraufhin die gewalttätigen Ausschreitungen einzudämmen. Es wurden rund 5.000 Soldaten nach Nordirland geschickt. Doch es kam dadurch lediglich zu einer weiteren Eskalation der Lage. Am 30. Januar 1972 erreichte diese Eskalation einen brutalen Höhepunkt in der Stadt Derry. Bis heute spricht man dabei vom „Blutigen Sonntag“ (Bloody Sunday). An diesem traurigen Tag kamen 14 Menschen ums Leben, als britische Polizisten (aus bis heute ungeklärten Gründen) das Feuer auf die Teilnehmer dieser Demonstration eröffneten.

Eine Stadt mit zwei Namen?

Es folgen zahlreiche Anschläge der IRA in den 1980er Jahren. In den Jahren darauf kam es immer wieder zu „Friedensgesprächen“ zwischen britischen Politikern und Vertretern der Partei Sinn Féin, dem politischen Arm der IRA. Erst am 10. April 1998 wurde dann das sogenannte „Karfreitagsabkommen“ abgeschlossen. Die wichtigsten Ergebnisse dieses Abkommens lauteten: Nordirland bleibt Teil des Vereinigten Königreichs, bis sich die Bevölkerung für eine Vereinigung mit Irland entscheidet. Die Republik Irland streicht ihren Anspruch auf Nordirland aus ihrer Verfassung. Trotzdem bleibt die traurige Bilanz im Nordirlandkonflikt bestehen: Über 3.000 Menschen fanden nämlich in diesem Konflikt den Tod.

Kein Wunder, dass es bei dieser Geschichte eben auch eine Stadt in Nordirland mit mehreren Namen gibt. Wir werden heute nämlich noch Derry bzw. Londonderry besuchen. Jene Stadt also, die im Jahre 1972 traurige Berühmtheit unter dem Synonym „Bloody Sunday“ erreichte.

Glenveagh Nationalpark

Glenveagh Nationalpark Zuvor besuchen wir allerdings noch den Glenveagh Nationalpark. Er ist übrigens der größte von sechs Nationalparks in Irland und hat eine Fläche von rund 16.500 Hektar.

Sein Zentrum bildet der Lough Beagh, den eine eindrucksvolle Berg- und Moorlandschaft umgibt. Genau dort befindet sich auch Glenveagh Castle mit seiner viktorianischen Gartenanlage, welches wir heute auch noch von innen besichtigen dürfen.

Nach diesem wunderschönen Natur- und Kulturerlebnis begeben wir uns auf den Weg in Richtung Derry. Sehenswert ist in Derry vor allem die Altstadt mit der ca. 1,5 km langen und an manchen Stellen bis zu acht Meter hohen, begehbaren Stadtmauer aus dem 17. Jahrhundert.

Diese Stadtmauer ist noch beinahe im Originalzustand. Auch die wohl größte anglikanische Kathedrale Nordirlands (St. Kolumban) befindet sich in Derry. Die Kathedrale wurde zwischen 1628 und 1633 erbaut und ist damit das älteste Gebäude der Stadt.

Über diese Brücke musst Du gehen…

Londonderry Wir besichtigen auch die „Guildhall“, also das historische Rathaus (gegenüber der alten Stadtmauer) mit unzähligen, kunstvollen Glasfenstern, welche die Geschichte dieser Stadt eindrücklich darstellen.

Anschließend spazieren wir noch über die sogenannte „Friedensbrücke“, die wohl zu den wichtigsten Symbolen für die friedliche Annäherung zwischen Protestanten und Katholiken in dieser Stadt zählt. Die Brücke wurde im Jahr 2011 eingeweiht. Sie verbindet heute den mehrheitlich protestantischen Ostteil mit dem vor allem von Katholiken bewohnten Westen der Stadt.

In Derry finden wir dann auch noch ein nettes Cafe. Dort legen wir eine kleine Pause mit Kaffee, Tee und Kuchen ein – bevor der heutige Tag schon wieder langsam sein Ende nimmt, und wir zurück in unser Hotel nach Letterkenny fahren.

Wolfe Tone…

Nach dem Abendessen machen wir selbstverständlich noch eine intensive Pub-Tour durch die Mainstreet von Letterkenny. Wir landen in der „Wolfe Tone – Bar“. Wie wir dort erfahren war Herr Theobald Wolfe Tone ein Anwalt aber auch ein radikaler Anführer der irischen Unabhängigkeitsbewegung sowie deren Rebellion im Jahre 1798. Er gründete auch die „Society of United Irishmen“. Deshalb verehren ihn beispielsweise republikanische Organisationen wie Sinn Féin oder die IRA als einen ihrer Begründer.

Nach so vielen Geschichten über Rebellionen, Freiheitskämpfer und gewalttätigen Ausschreitungen genehmigen wir uns noch ein gemütliches „Pint of Smithwicks“ und fallen dann völlig geschafft aber entspannt in unser Bett.

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