Niemand hat die Absicht…

Der Vorsitzende des Staatsrates der damaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR), Herr Walter Ulbricht, meinte bei einer Pressekonferenz am 15. Juni 1961 wörtlich: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Lediglich zwei Monate später, am 13. August 1961, wurde dann das genaue Gegenteil gemacht: Man begann damit, das gesamte Grenzgebiet zwischen Ost- und West-Berlin sowie zwischen West-Berlin und der DDR auf einer Länge von nahezu 170 km abzuriegeln und Sperranlagen zu errichten. Diese Absperrungen wurden unter einem gewaltigen Aufwand errichtet und gingen im Laufe der Zeit als die „Berliner Mauer“ in die Geschichtsbücher ein.

Erst am 9. November 1989 kam es dann schließlich zum bekannten „Fall“ dieser Berliner Mauer. Am vergangenen Wochenende fanden deshalb in Berlin zahlreiche „Gedenkveranstaltungen“ statt. Man feierte den 25. Jahrestag des berühmten „Mauerfalls“.

Auch eine Dame, die im Jahre 1954 in Hamburg geboren wurde und deren Familie kurz darauf „freiwillig“ in die damalige DDR umsiedelte, nahm an diesen Feierlichkeiten teil. Richtig: Es handelt sich dabei um die Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, Frau Angela Merkel. (1) In ihrer Schulzeit (1961 – 1973) war sie Mitglied der Pionierorganisation Ernst Thälmann. (2) In späteren Jahren (ca.1978 – 1989) war sie auch Mitglied der Freien Deutschen Jugend. (3)

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht bei den Feierlichkeiten vom vergangenen Wochenende die Öffnung der innerdeutschen Grenze vor 25 Jahren als Vorbild für andere Freiheitsbewegungen. Bei der Eröffnung einer neuen Dauerausstellung in der Gedenkstätte „Bernauer Straße“ in Berlin sagte Frau Merkel:

„Der Mauerfall hat uns gezeigt: Träume können wahr werden.“

Die Kanzlerin meinte weiter, dass Freiheits- und Menschenrechte in manchen Regionen dieser Welt immer noch „bedroht oder mit Füßen getreten werden“. Dabei bezog sie sich unter anderem auf die Ukraine und Syrien. Hingegen biete ein „geeintes und auf ein gemeinsames Wertefundament gebautes Europa jedem Einzelnen alle Chancen, sein Leben frei zu gestalten.“

Verständnis für neue Mauern?

Nun, irgendetwas hat da Frau Merkel vergessen – oder? Die ukrainische Regierung will nämlich seit einigen Monaten eine neue „Stahl-Mauer“ entlang der Grenze zu Russland bauen! Diese kilometerlange Befestigungs-Anlage soll letztendlich mit 4.000 Militär-Unterständen und Panzern ausgerüstet sein. Die Mauer soll im Endausbau rund 1.900 Kilometer lang sein. Ganz nebenbei erwähnt: Vor allem die EU soll für dieses Projekt einige Millionen Euro zur Verfügung stellen…

Vor wenigen Wochen hat sogar der Bürgermeister von Kiew (Vitali Klitschko) Deutschland um Hilfe für den Bau einer Mauer an der Grenze zu Russland gebeten. Er nannte als Beispiele „finanzielle Unterstützung“ und Hilfe durch „Know-How“. Meint Herr Klitschko etwa, dass gerade Deutschland aus geschichtlichen Gründen weiß, wie man eine gute Mauer baut? Dem allerdings noch nicht genug, äußert Berlin durchaus Verständnis für den ukrainischen Mauerbau! Bitte wie? Ja, Sie haben schon ganz richtig gelesen: Die deutsche Bundesregierung hatte im September 2014 Verständnis für die ukrainischen Pläne, entlang der Grenze zu Russland eine Mauer zu errichten. (4)

Diesmal hat mal also sehr wohl die Absicht, eine Mauer zu bauen? Hallo Frau Merkel?! Was bleibt eigentlich von Ihren schönen Worten übrig? Träume, Freiheits- und Menschenrechte, Wertefundament? Schämen Sie sich!

Kalter Krieg 2.0

Klare Worte fand bei den Feiern zum 25. Jahrestag des Mauerfalls in Berlin hingegen der frühere sowjetische Staats- und Parteichef, Herr Michail Gorbatschow. Am vergangenen Samstag sagte er vor Ort:

„Die Welt ist an der Schwelle zu einem neuen kalten Krieg. Manche sagen, er hat schon begonnen.“

An dieser Stelle möchte ich betonen, dass Herr Gorbatschow kein Verschwörungstheoretiker ist! Er ist Friedensnobelpreisträger und gilt als einer der Väter der sogenannten „deutschen Widervereinigung“. Genau dieser Herr warf bei seiner Rede in Berlin dem Westen und insbesondere der USA vor, nach der Wende im Jahre 1989 ihre Versprechen nicht gehalten zu haben. Als Beispiele nannte er „..die Nato-Erweiterung, Jugoslawien und vor allem den Kosovo, Raketenabwehrpläne, Irak, Libyen und Syrien“.

Im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise meinte Herr Gorbatschow weiter:

„Die Ereignisse der vergangenen Monate sind die Konsequenzen aus einer kurzsichtigen Politik, aus dem Versuch, vollendete Tatsachen zu schaffen und die Interessen des Partners zu ignorieren.“

Darüber hinaus stellte Gorbatschow fest, dass Europa am meisten unter dieser Entwicklung leidet. Deshalb forderte er in Berlin auch eine schrittweise Aufhebung der gegenseitigen Sanktionen ein. Folgende Worte von Herrn Gorbatschow möchte ich dabei keinesfalls unerwähnt lassen:

„Hier in Berlin, zum Jahrestag des Mauerfalls, muss ich feststellen, dass all dies auch negative Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen Russland und Deutschland hat. Lasst uns daran erinnern, dass es ohne deutsch-russische Partnerschaft keine Sicherheit in Europa geben kann.“

Wir sind FÜR den Frieden!

Wir sind FÜR die Freiheit!

Wir brauchen KEINE Mauern mehr!

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(1) – Wikipedia: Angela Merkel
(2) – Wikipedia: Pionierorganisation Ernst Thälmann
(3) – Wikipedia: Freie Deutsche Jugend (FDJ)
(4) – derStandard.at: Klitschko – Deutschland soll bei Mauerbau helfen (12.09.2014)

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