Die US-Besatzung in Europa

Bereits am 18. November 2011 hat der deutsche Bundesfinanzminister (Dr. Wolfgang Schäuble) in seiner Grundsatzrede auf dem 21. Europäischen Bankenkongress in Frankfurt am Main klare Worte gefunden. Er sagte damals wörtlich: „Und wir in Deutschland sind seit dem 8. Mai 1945 zu keinem Zeitpunkt mehr voll souverän gewesen.“ (1)

Wagen wir gemeinsam einmal einen kleinen Ausflug in die Geschichte. Am 10. Juli 1943 wurde die sogenannte 7. US-Armee aufgestellt. Diese 7. US-Armee erfüllte im 2. Weltkrieg mehrere Einsätzen auf europäischen Boden (zum Beispiel Operation Dragoon und Operation Anvil in Südfrankreich). Im Frühling des Jahres 1945 überquerte die 7. US-Armee schließlich den Rhein und stieß daraufhin weiter nach Süddeutschland vor. Im April 1945 wurde Nürnberg von der 7. US-Armee erobert und nur wenig später erreichten dessen Soldaten den Obersalzberg in Bayern.

In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg fanden dann mehrere „strukturelle Veränderungen“ rund um die 7. US-Armee statt. Seit 1. August 1952 spricht man deshalb vom sogenannten „United States European Command“ (USEUCOM oder EUCOM). Dabei handelt es sich um eines von sechs Oberkommandos der US-Streitkräfte. Der Sitz dieser US-Streitkräfte befindet sich in Stuttgart (BRD). Im Jahr 2007 standen über 70.000 Soldaten unter dem Kommando der USEUCOM. Leider konnte ich keine Zahlen neueren Datums auffinden. Der Hauptteil der EUCOM unterstellten Truppen bilden heute die 7. US-Armee, die 6. US-Flotte, und die 3. und 16. Air Force.

Werfen wir an dieser Stelle einmal einen gemeinsamen detaillierten Blick auf die 7. US-Armee in Deutschland. Sie besteht aktuell aus:

  • 2. US-Kavallerieregiment, in Vilseck (Deutschland)
  • 12. Heeresfliegerbrigade, in Katterbach, (Deutschland)
  • 10. Army Luft- und Raketenabwehr Kommando, in Kaiserslautern, (Deutschland)
  • 7. Armee Joint Multinational Training Command, in Grafenwöhr (Deutschland)
  • 21. Regionales Unterstützungskommando, in Kaiserslautern (Deutschland)
  • 16. Unterstützungsbrigade, in Bamberg, (Deutschland)
  • 18. Pionierbrigade, in Schweinfurt, (Deutschland)
  • 18. Militärpolizeibrigade, in Sembach, (Deutschland)
  • 7. Ziviles Unterstützungskommando (Reserveeinheiten), in Kaiserslautern, (Deutschland)
  • 266. Finanzverwaltungskommando, in Kaiserslautern (Deutschland)
  • 405. Army Feldunterstützungsbrigade, in Kaiserslautern, (Deutschland)

Unsere gemeinsame „Zeitreise“ endet nun also im Jahr 2015. Wir stellen fest, dass es ein Oberkommando der US-Armee auf europäischen Boden gibt, welches wohl rund 70.000 Soldaten umfasst. Spontan fällt mir die Frage ein: „Was ist denn eigentlich die Aufgabe von USEUCOM?“ Auf Wikipedia findet man unter der Überschrift „Auftrag und Zuständigkeit“ folgende Punkte:

  • EUCOM unterhält einsatzbereite Streitkräfte, um Operationen im vollen Umfang allein oder in Zusammenarbeit mit den Koalitionspartnern durchzuführen,
  • Erhöhung der transatlantischen Sicherheit durch Unterstützung der NATO,
  • Gewährleisten regionaler Stabilität,
  • Kampf gegen den Terrorismus,
  • Vertretung der U.S.-Interessen in der Region.

Laut Wikipedia handelt es sich hierbei wohlgemerkt um eine Übersetzung von der offiziellen Website von USEUCOM. (2)

Es handelt sich also definitiv um einsatzbereite Streitkräfte der USA, um Operationen im vollen Umfang durchzuführen. Wozu jedoch benötigt die USA einsatzbereite Streitkräfte für Operationen in Deutschland? Diese Truppen dienen also der transatlantischen Sicherheit und zur Unterstützung der NATO? Nur, was genau ist bitte die „transatlantische Sicherheit“. Darüber hinaus: Warum benötigt die NATO in Deutschland eine Unterstützung der US-Armee? Die US-Truppen in Deutschland dienen also der regionalen Stabilität? Haben Sie gewusst, dass die Region Deutschland instabil ist? Ein wichtiger Grund für die US-Armee auf europäischen Boden ist wohl auch der Kampf gegen den Terrorismus. Aha. Haben Sie schon einmal davon gehört, dass bei „Terror-Anschlägen“ in Europa die US-Armee eingesetzt wurde? Last but not least: Es geht um die Vertretung der US-Interessen in der Region. Um welche Region geht es da wohl konkret? Welche Interessen muss die US-Administration eigentlich auf europäischen Boden durch Soldaten vertreten lassen?

Transatlantische „Verfilzung“ im Mainstream..

Es ist schon interessant, dass die europäischen Leitmedien seit 1945 noch nie derartige Fragen gestellt haben. Man akzeptiert da immerhin eine Besatzung durch eine ausländische Militärmacht. Aber halt! Da geht es ja „nur“ um die Vereinigten Staaten von Amerika. Das sind doch Freunde – oder? Die USA bringen doch lediglich Freiheit und Demokratie in die Welt. Ja, das mag schon sein – muss man allerdings diese Freiheit und Demokratie auch nach beinahe 70 Jahren immer noch mit Militär umsetzen? An die Redaktionen der Mainstream-Presse: Warum diskutiert man dieses Thema nicht auf breiter Basis? Warum nimmt man diese „passive Besatzung“ durch eine „fremde Militärmacht“ einfach kritiklos hin? Kann es sein, dass man sich mittlerweile in den sogenannten „transatlantischen“ Organisationen zu sehr „vernetzt“ hat? Wurde man da in den Redaktionen der Leitmedien in den vergangenen Jahrzehnten „systematisch“ von Lobbyisten im Auftrag der US-Administration unterwandert? Der interessierte Leser sollte sich an dieser Stellte auch unbedingt einmal mit den Organisationen „Atlantikbrücke“ oder „German Marshall Fund“ beschäftigen. (3) (4)Zu diesem Thema habe ich auch eine Buchempfehlung: Gekaufte Journalisten von Udo Ulfkotte.

Aber auch die Partner innerhalb der Europäischen Union sind bei diesem Thema verdächtig leise. Dabei muss man natürlich eine klare Unterscheidung treffen. Es ist mir auch an dieser Stelle durchaus wichtig: Europa ist definitiv nicht gleichzusetzen mit der Europäischen Union (EU). Europa ist ein Kontinent. Die Europäische Union ist ein Verein. Die Bundesrepublik Deutschland ist sogar ein Gründungsmitglied der Europäischen Union! Man könnte nun also feststellen, dass die EU von einem „besetzten Land“ mitbegründet wurde. Ausgerechnet dieses „besetzte“ Land übernimmt seit Jahrzehnten darüber hinaus auch noch die „Führungsrolle“ in diesem Verein. Einmal ganz davon abgesehen, dass die Europäische Union über kein offizielles Staatsgebiet verfügt (weil die EU eben per Definition kein Staat sein kann!). Trotzdem wurde eine sogenannte „gemeinsame Währung“ (Euro) eingeführt. Eine Währung ist aber doch die Verfassung und Ordnung des gesamten Geldwesens eines Staates (!). Noch einmal: Die EU ist KEIN Staat.

Zurück zu den „Vereinspartnern“ der Bundesrepublik Deutschland innerhalb der EU: Warum stellt kein Politik-Darsteller innerhalb der EU kritische Fragen zu der Stationierung von US-Soldaten im Rahmen von USEUCOM in Deutschland? Aus welchem konkreten Grund findet gar keine Diskussion in den Parlamenten der EU-Mitgliedsstaaten darüber statt? Warum akzeptiert man diese Militärmacht auf dem Boden der EU? Gleichzeitig findet es man jedoch gar nicht so prickelnd, wenn Russland einen Teil eines Landes angeblich „annektiert“, welches aktuell übrigens noch KEIN Mitglied in der EU ist (Ukraine). Einmal ganz davon abgesehen, dass man aus meiner ganz persönlichen Sicht der Dinge bei der Krim niemals wirklich von einer „Annexion“ sprechen kann.

Wertegemeinschaft Europa?

Ein weiteres interessantes Detail am Rande: Um welche „Partnerschaft“ innerhalb der Europäischen Union handelt es sich da eigentlich? Da stellt der deutsche Finanzminister (Schäuble) zum Beispiel vor wenigen Tagen sehr böse fest, dass man die „Reformvorschläge“ Griechenlands ablehnen wird. Nun, in welcher Funktion hat denn da Herr Schäuble diese ablehnende Haltung eingenommen? Spricht hier Herr Schäuble im Namen der Europäischen Union? Fall ja, mit welchem Mandat macht dies Herr Schäuble? Falls nicht: Was soll dann diese Aussage? Deutschland kann wohl kaum im „Alleingang“ irgendwelche Maßnahmen eines weiteren „Vereinsmitglieds“ ablehnen. Noch dazu hat ja gerade Herr Schäuble bereits im Jahr 2011 vollmundig festgestellt, dass die BRD seit 1945 zu keinem Zeitpunkt mehr voll souverän gewesen ist. Welche Position vertritt hier also Herr Schäuble genau? Dieses beinahe schon „hochnäsige“ Verhalten von Politik-Darstellern aus dem „US-besetzten“ Deutschland zieht sich jedoch wie ein roter Faden durch das derzeitige „Gesamtkonzept“ der Europäischen Union. In welcher Funktion übernimmt beispielsweise die deutsche Bundeskanzlerin (Angela Merkel) die von der Mainstream-Presse so oft gelobte „Führungsrolle“ in der EU? Wo findet man dafür eine demokratische Legitimation? Warum nimmt ausgerechnet Frau Merkel an Verhandlungen rund um die sogenannte „Ukraine-Krise“ teil? Von wem genau wurde denn Frau Merkel dafür berechtigt? Ergibt sich diese Aufgabe zwangsläufig aus der Besatzung Deutschland durch die US-Administration? Wohl kaum! Wie passt diese Besatzung eigentlich zu den Verträgen von Lissabon und der sogenannten „EU-Verfassung“?

Es ist sehr traurig, dass es zu keinerlei Diskussion rund um die Stationierung von US-Truppen auf europäischen Boden kommt. Mittlerweile ist auch sehr durchsichtig geworden, welche Interessen im Zusammenhang mit der Ukraine innerhalb der EU vertreten werden. Es handelt sich um US-Interessen. Dies gab auch der US-Präsident (Barack Obama) vor wenigen Wochen bei einem CNN-Interview zu. (5) Welche Art von „Wertegemeinschaft“ wird hier in der EU eigentlich aufgebaut? Solange eine Militär-Besatzung eines „Vereinsmitglieds“ akzeptiert wird, kann sich niemals eine wirklich „freie und unabhängige“ europäische Gesellschaft entwickeln.

Wahrscheinlich auch deshalb übergab Frau Merkel der EU-Kommission jetzt den klaren Auftrag, das Freihandelsabkommen (TTIP) mit den Vereinigten Staaten von Amerika noch 2015 abzuschließen. Darüber berichten heute mehrere Mainstream-Medien. (6) Ist es nicht bedenklich, dass die Bundeskanzlerin von Deutschland der EU-Kommission „Aufträge“ erteilen kann. Noch bedenklicher ist es jedoch, dass die Mainstream-Presse diesen Fakt nicht kritisch hinterfragt. Mehr noch: Es wird in den Redaktionsstuben des Mainstreams auch noch gut gefunden!

Aus meiner Sicht sind also die Zusammenhänge zwischen US-Administration, Besatzung durch die US-Armee, Freihandelsabkommen (TTIP), Euro-Krise (Griechenland), Ukraine-Krise (Russland/USA/EU) kein Zufall. Es wird durchaus interessant, wie es in den nächsten Wochen zu diesen Themen weitergeht. Traurig nur, dass man weiterhin die wirklich wichtigen Fragen nicht stellen wird.

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weiterführende Links:
(1) bundesfinanzministerium.de: Rede des Bundesfinanzministers, Dr. Wolfgang Schäuble beim 21. Europäischen Bankenkongress
(2) Wikipedia: United States European Command (USEUCOM)
(3) Wikipedia: Atlantikbrücke
(4) Wikipedia: German Marshall Fund
(5) YouTube: Obama im CNN-Interview
(6) derstandard.at: TTIP soll Ende 2015 ausverhandelt sein


Bildnachweis: Beitragsbild via pixabay.com / Fotograf: skeeze / Lizenz: Public Domain CC0

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